11.19
Bearbeitungsstand
Zweitens kann diese Art zu predigen, wie sie bei ihnen gebräuchlich ist, (zumal sie auch selbst zugestehen, daß solche von Leuten, die gottlos und der wahren Gnade beraubt sind, vollzogen werden mag) die Gemeine nicht nur keineswegs erbauen, und den wahren Glauben weder zeugen noch ernähren, sondern sie ist demselben auch noch dazu schädlich. Gestalt sie dem Wesen des Christlichen und Apostolischen Kirchendienstes, dessen in der Schrift gedacht wird, gerade entgegen ist. Denn die Apostel predigten das Evangelium nicht mit klugen Worten, auf daß nicht das Kreuz Christi zu nichte werde. 1.Cor.1,171. Weil aber dieses Predigen nicht durch die Bewegungen, und den Trieb des Geistes Gottes, sondern durch des Menschen Erfindung und Redekunst in seinem eigenen Willen, vermöge seiner natürlichen und erlangten Gaben und Gelehrsamkeit, hervor gebracht wird, so be steht solches in klugen Worten; und deshalb wird das Kreuz Christi dadurch zunichte gemacht. Des Apostels Rede und Predigt bestünde nicht in vernünftigen Worten menschlicher Weisheit, sondern in Beweis des Geistes und der Kraft; auf daß der Zuhörer Glaube nicht bestehe auf menschliche Weisheit, sondern auf Gottes Kraft, 1.Cor.2,3-5[^foot-11-19-002]. Dieweil aber dieses Predigen nichts von dem Geist und der Kraft Gottes in sich hat, indem beides die Prediger und Zuhörer bekennen, daß sie dergleichen nicht erwarten, ja öfters nicht einmal hiervon etwas wissen, so muß es notwendig in anlockenden Worten menschlicher Weisheit, bestehen. Wie es denn durch die blosse Weisheit des Menschen gesucht, und durch die bloße Kraft menschlicher Beredsamkeit und reißender Worte fürgebracht wird; und deshalb ist es kein Wunder, wenn der Glauben derer, die sie hören, und sich auf solche Prediger und Predigten verlassen, in menschlicher Weisheit, und nicht in der Kraft Gottes besteht. Die Apostel bezeugten, daß sie redeten nicht mit Worten, die menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der heilige Geist lehrt. 1.Cor.2,13[^foot-11-19-003]. Aber diese Prediger gestehen, daß ihnen des heiligen Geistes seine Bewegungen und Wirkungen unbekannt sein. Sie warten nicht darauf, verlangen auch nicht, solche zu fühlen; und dashalb reden sie mit solchen Worten, so ihnen ihre eigene natürliche Weisheit und Gelehrsamkeit lehrt; mischen solche mit ein, und fügen sie solchen Worten bei, die sie aus der Schrift und andern Büchern heraus stehlen. Und solcher Gestalt reden sie nicht, was ihnen der heilige Geist lehrt.
Drittens, ist dieses der Lehrart und Ordnung der ersten Kirche zuwider, deren von dem Apostet Meldung geschieht 1.Cor.14,30[^foot-11-19-004]. wo bei dem Weisssagen ein jedweder auf die Offenbarung warten, und einer dem andern weichen soll, nachdem ihm eins oder Das andere offenbart werde. Aber hier wird auf keine Offenbarung gewartet, sondern der Prediger muß reden, und nicht zwar dasjenige, was ihm offenbart worden, sondern worauf er sich vorbereitet, und was er schon längst mit vielem Nachsinnen zusammen getragen hat.
Letztens, wird durch diese Art des Predigens der Geist, Gottes, welcher der gewichtigste Unterrichter und Lehrer des Volks Gottes sein sollte, und dessen Einfluss allein alles Predigen nützlich, und zu Erbauung der Seelen kräftig macht, ausgeschlossen, und des Menschen natürliche Weisheit, Gelehrsamkeit, und Geschicklichkeit an dessen statt gesetzt und erhoben. Welches sonder Zweifel die grösste und gewichtigste Ursache mit ist, warum das Predigen bei den meisten Christen so gar fruchtlos und ohne Nutzen abgeht. Ja, nach dieser Lehre könnte der Teufel predigen, und müsste ihm auch zugehört werden. Angesehen er beides die Wahrheit weiß, und auch so viel Beredsamkeit besitzt, als einer. Allein, was hilft die Vortrefflichkeit der Rede, wenn die Beweisführung und Kraft des Geistes fehlt, der das Gewissen rührt? Wir sehen, daß, als der Teufel die Wahrheit bekannte, dennoch Christus sein Zeugnis nicht annehmen wollte. Und gleichwie diese wichtigen Zeugnisse der Schrift deutlich zu erkennen geben, daß diese Predigtmethode der Lehre Christi gänzlich zu wieder ist; deshalb beweisen sie auch, daß unsere Lehrart in diesem Stück, wie wir sie vorher bekräftigt haben, derselben gemäß sei.
1.Korinther 1,17 “Christus hat mich nicht beauftragt, die Menschen zu taufen, sondern die rettende Botschaft zu verkünden. Und wenn ich das tue, dann versuche ich nicht, meine Zuhörer durch menschliche Weisheit und Redegewandtheit zu beeindrucken. Denn sonst wäre die Botschaft, dass Christus am Kreuz für uns starb, ihrer Kraft beraubt.”
[^foot-11-19-002] 1.Korinther 2,3-5 “Dabei war ich schwach und elend und zitterte vor Angst. Was ich euch sagte und predigte, geschah nicht mit ausgeklügelter Überredungskunst; durch mich sprach Gottes Geist und wirkte seine Kraft.Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.”
[^foot-11-19-003] 1.Korinther 2,13 “Wenn wir davon sprechen, kommt das nicht aus menschlicher Klugheit, sondern wird uns vom Geist Gottes gelehrt. Was er uns gezeigt hat, das geben wir mit seinen Worten weiter.”
[^foot-11-19-004] 1.Korinther 14,30 “Der Prophet, der eine Botschaft von Gott bekommen hat, soll seine Rede beenden, wenn Gott einem der Anwesenden eine neue Botschaft eingibt.”