11.16 - über die Mystische Tradition bei den Katholiken
Bearbeitungsstand
Und obschon dieser Gottesdienst, von denen so vielen andern unter denen Christen eingeführten und erfundenen Verehrungen, wirklich und in der Tat gar sehr unterschieden ist, und deshalb manchem gar fremd vorkommen dürfte; so ist er dennoch von den aller gottseligsten und heiligsten Leuten zu allen Zeiten bezeugt, anbefohlen, und ausgeübt worden, wie mit vielen sonnenklaren Zeugnissen dargetan werden könnte. Also, daß von der Bekenntnis Übung Desselben der Name der Mysticorum, als einer gewissen Sekte, entstanden, die insgemein von allen gerühmt wird, deren Schriften voller Erklärungen und Lobsprüche dieses Gottesdiensts sind, worin sie dies innerliche Einkehrung und Abziehung des Gemüts (wie sie es nennen,) von allen Einbildungen und Gedanken und dem Gebet des Willens vielfältig behaupten. Ja sie sehen dieses als die höchste Christliche Vollkommenheit an. Daß auch einige unter ihnen, ungeachtet sie eifrige Katholiken sind, kein Bedenken tragen, zu bekräftigen, daß solche, die diese Art der Anbetung erreicht, oder darnach streben, (wie in einein Buch, Sancta Sophia genannt, so von den Englischen Benediktinern heraus gegeben, und an. 1657. zu Doway gedruckt ist Tract. I. Sect. 2. cap. 5. gemeldet wird) nicht nötig hätten, noch sollten sich mit öfteren und unnötigem Beichten, mit Uebung leiblicher Arbeit und Strenge, mit dem Gebrauch der mündlichen und freiwilligen Gebete, mit Anhörung unzähliger Messen oder gesetzten Übungen, mit, Heiligen zu Ehren, angestellten Andachten oder Gebeten für die Verstorbenen, oder mit ängstlichen und zerrüttenden Sorgen, wie sie Ablas erlangen, wie sie an den und den Ort in diese und jene Kirche geben, oder sich in diese oder jene Brüderschaft einlassen, oder sich mit Gelübden und Verheissungen verstricken mögen, zu plagen und zu beschäftigen, weil solche Dinge die Seele verhindern, die Wirkung des göttlichen Geistes in ihr anzumerken, und Freiheit zu haben, dem Geist zu folgen, wohin er sie ziehen will. Und wer weiß demnach nicht, das in dergleichen Beobachtungen das wahre Wesen der päpstlichen Religion bestehe. Nichts destoweniger erhellt aus diesen und vielen andern Stellen, die aus mystischen Scribenten könnten angeführt werden, daß sie diese Art der Anbetung als die allervortrefflichste unter allen ansehen, und dafür halten, daß diejenigen, die dazu gelangt sind, die andern nicht für unumgänglich, nötig hätten. Ja solche, die dieses geschmeckt, gestünden alsbald, daß die andern Gestalten und Zeremonien des Gottesdiensts ihnen nichts mehr nütze wären, so vollzogen sie solche auch nicht als nötige Dinge, sondern nur bloß der Ordnung wegen, und andern kein bloßes Exempel zu geben. (Siehe das Leben des Balthasar Alvares in eben derselben Sancta Sophia, Tract. III. Sect. 1.c.7.) Und deshalb, obschon einige von ihnen mit der allgemeinen Finsternis ihres Bekenntnisses, als mit einem dichten Nebel, umgeben waren, so konnten sie dennoch so viel bekräftigen, daß diese geistliche Anbetung beständig zu erhalten und zu suchen sei, ob man sich schon genötigt finde, die andern äußerlichen Zeremonien zu unterlassen.
Daher auch Bernardus, gleichwie an vielen andern Orten, deshalb auch in seinem Brief an William, einen Abt von eben demselben Orden, sagt: Nimm die Regel Gottes in Acht. Das Reich Gottes ist innwendig in euch: Und nachdem er hernach angezeigt, daß ihre äusserliche Orden und Regeln beobachtet werden sollten, so setzt er hinzu: Desweiteren es sich aber ereignen sollte, daß eins von beiden unterlassen werden müsste, so sind in solchein Fall diese noch eher als das vorige zu unterlassen. Denn um so viel mehr, als der Geist vortrefflicher und edler ist, als der Leib, um so viel sind auch geistliche Uebungen den leiblichen vorzuziehen. Ist demnach nicht dieses der beste Gottesdienst, welchen die Besten in allen Sekten und zu allen Zeiten angepriesen haben, und welcher mit der Lehre Christi am besten überein kommt? Ist nicht dieser Gottesdienst, sage ich, zu erwählen und zu vollziehen? Und zwar um so viel desto mehr, da Gott ein Volk erweckt hat, demselben Zeugnis zu geben, und solchen zu ihrer größten Erquickung und Stärkung, recht vor den Augen der ganzen Welt, und ungeachtet vielen Widerstands, zu predigen: Die nicht, wie diese Mystici oder dem geheimen Sinn des Geistes nachforschenden Gottesgelehrten, ein Geheimnis daraus machen, so nur von etlichen wenigen Mönchen oder Nonnen in einem Kloster zu erlangen sei; oder erst, wie ihr Maßverstand war, nachdem sie sich mit vielen äußerlichen Zeremonien und Beobachtungen ermüdet, als ob es die Folge einer solchen Arbeit wäre. Sondern welche in der freien Liebe Gottes, (der die Person nicht ansieht, und dem Cornelio, einem Hauptmann und Römer, so nahe war, ihn zu erhören und sich ihm zu offenbaren, als dein Simeon und der Anna; und der seine Herrlichkeit vielmehr der Maria, einem armen Mägdlein, und den armen Hirten, als den Höhenpriestern und andächtigen Neubekehrten unter den Juden, entdeckte) in und nach seiner grundlosen Barmherzigkeit, befinden, daß der Herr diesen Gottesdienst offenbart und aufrichtet, und viele arme Handwerkleute, ja, junge Knaben und Mägdelein zu dessen Zeugen erweckt, alle Menschen zu bitten, und zu ermahnen, ihren eigenwilligen Gottesdienst und ihre selbsterwählten Werke, die sie aus eigenem Trieb, und bloßen natürlichen Kräften vollziehen, ohne von ihren eitlen Einbildungen und Gedanken auszugeben, oder zu fühlen, daß sich der reine Gottesdienst in ihnen bewege oder rege, bei Seite zu legen; auf daß sie diesen angenehmen Gottesdienst, der im Geist und in der Wahrheit geschieht, lieben und ausüben lernen. Allein wider diesen Gottesdienst wenden sie ein: