11.15 - der eigene Körper ist Kirche und Tempel des neuen Bunds
Bearbeitungsstand
Viertens ist die eigentliche Art dieses Gottesdienste, der durch die Wirkung des Geistes: vollzogen wird, da der natürliche Mensch stille schweigt, deutlich aus den Worten Christi abzunehmen, Johannes 4,23+24 1. Aber es kommt die Zeit, und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit. Denn der Vater will auch haben, die ihn deshalb anbeten. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Dieses Zeugnis ist um so viel desto genauer zu merken, weil es nicht nur das erste und vornehmste, sondern auch das ausführlichste Zeugnis ist, welches uns Christus von seinem christlichen Gottesdienst, als einem solchen gebietet, der von demjenigen unter dem Gesetz ganz unterschieden sein sollte. Denn erstens zeigt er, daß die Zeit nun herbei kommen sei, in welcher der Gottesdienst oder die Anbetung im Geist und in der Wahrheit geschehen müsste. Denn Der Vater suche solche, die ihn deshalb anbeteten. So ist es denn kein solcher Gottesdienst mehr, der in Beobachtung äußerlicher Zeremonien be steht, damit er zu gewissen gelegten Zeiten oder Gelegenheiten verrichtet werden möge, und den der Mensch aus seinem eigenen Willen, und durch seine natürliche Kräfte verrichten kann. Denn sonst könnte er von dem Gottesdienst unter dem Gesetz, dem Wesen nach nicht unterschieden sein, sondern mäste nur in einigen Umständen davon abweichen. Was hiernächst die Ursache dieses Gottesdiensts betrifft, so haben wir nicht nötig, eine andere anzuführen, es wird auch kein Mensch eine bessere geben können, als welche Christus selbst gebietet. Daher solche, meines Ermessens, hinlänglich sein sollte, einen jedweden Christen in diesem Stück zufrieden zu stellen. Gott ist ein Geist, (heißt es,) und die, so ihn anbeten wollen, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Gleichwie nun dieses deswegen angenommen werden sollte, weil es das klare Wort Gottes, und der eigene Ausspruch Christi ist; deshalb gründet sich es auch auf einen klaren Beweis der Vernunft, welcher dessen Wahrheit sattsam an den Tag legt. Denn Christus schliesst unvergleichlich von der Analogie oder Gleichheit, die zwischen dem Object oder Gegenstand und der darauf gerichteten Anbetung sein sollte.
Gott ist ein Geist: Deshalb muß er auch im Geist angebetet werden.
Dieses ist so gewiss, daß es keinen Widerspruch leidet; und diese Analogie oder Gleichheit ist so nötig, betrachtet zu werden, daß Gott unter dem Gesetz, als er den zeremoniellen Gottesdienst einsetzte und den Juden bestimmte, weil solcher äusserlich war, damit sie eine Gleichheit mit einander haben mögen, fär nötig angesehen, sich auf eine ganz besondere Weise gegen sie herunter zu lassen, innerhalb der Hütten des Stifts zwischen den Cherubinen zu wohnen, und hernach den Tempel zu Jerusalem gewisser massen zu seiner Wohnung zu erwählen, und etwas von einer äußerlichen Herrlichkeit und Majestät erscheinen zu lassen, indem er das Feuer vom Himmel die Opfer verzehren ließ, und den Tempel mit einer Wolke erfüllte. Hierdurch, und vermöge dieser dem äußerlichen Auge, sichtbaren Mittel offenbarte er sich diesem äusserlichen Gottesdienst gemäß, welchen er ihnen zu vollziehen geboten hatte. Also verhält sich es auch jetzt unter dem neuen Bund. Da er nach seiner göttlichen Weisheit für gut befindet, seine Kinder auf einen viel himmlischeren und geistlicheren Pfad zu teilen, und ihnen einen weit leichteren und gemeinen Weg anzuweisen; und da er sich hierbei auch zum Zweck setzt, fleischliche und äusserliche Beobachtungen abzuschaffen, damit die Sonne mehr ein Auge auf eine innerliche Herrlichkeit, und auf ein innerliches Königreich, als auf ein äusserliches haben möchten; so hat er uns, zu einem Beispiel desselben, die Erscheinung seines geliebten Sohnes des Herren Jesu Christi gegeben, welcher uns (an statt dessen, daß Moses die Israeliten nur aus der äußerlichen Dienstbarkeit erlöste, und ihre Feinder äusserlich vertilgte,) durch sein Leiden und Sterben, das ihn durch die Hände seiner Feinde betraf, und dadurch er über den Teufel und seine Werkzeuge triumphierte, von allen seinen und unsern innerlichen Feinden erlöst hat, und noch erlöst. Und deswegen hat er auch einen innerlichen und geistlichen Gottesdienst eingesetzt, da Gott sein Volk nicht mehr an den Tempel zu Jerusalem, noch auch an die Beobachtung der äusserlichen Zeremonien und Gebräuche bindet; sondern das Herz eines jedweden Christen zu einem Tempel erwählt, worin er wohnen möge. Und daselbst erscheint er nun, und lehrt die Menschen, wie sie ihm in ihren äußerlichen Werken dienen sollen. Denn, da, nach dem Ausspruch Christi, Gott ein Geist ist, so will er auch nunmehr in dem Geist, so er sich offenbart, und bei denen, die zerknirschten Herzens sind, wohnt, angebetet sein. Zumal es nun des Menschen Herz ist, welches jetzt der Tempel Gottes geworden, in welchem er will angebetet werden, und nicht mehr in besonderen äußerlichen Tempeln, (massen, wie der heilige Stephanus aus dem Propheten zu dem ehemaligen Juden sagte, der Allerhöchste nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wohne.) Und gleich wie der äußerliche Tempel zuvor gesäubert und gereinigt, und alles befleckte Zeug desselben hinaus geschafft, ja der Ort vor die Hütten des Stifts mit bem feinsten Gold, als dem allerköstlichsten reinsten und kläresten Metall, überzogen seien musste, ehe die Herrlichkeit des Herrn herab stieg und denselben erfüllt; deshalb muß auch, der innerliche Tempel des Herzens, ehe Gott darinnen verehrt werden kann, von aller seiner Unreinheit, von allen seinen eitlen Gedanken und Einbildungen gereinigt sein, damit er geschickt sei, den Geist Gottes aufzunehmen und von ihm getrieben zu werden. Leitet uns aber nicht dieses geraden Wegs zu dem innerlichen Schweigen, von welchem wir geredet, und das wir so genau beschrieben haben? Ferner’ muß dieses Anbeten in der Wahrheit geschehen, anzudeuten, daß dieser geistliche Gottesdienst, der deshalb verrichtet wird, nur allein, und auf eine eigentliche Weise, ein wahrer Gottesdienst zu nennen sei; im massen er derjenige Gottesdienst ist, welcher, aus ob angeregten Ursachen, von dem Feind weder nachgetan, noch auch von einein Heuchler vollzogen werden kan.
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Johannes 4,23+24 “Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.” ↩︎